LIFT e.V.

COVID Report Sr. Priya

Bericht der Oberin Sr. Priya (im englischen Original)

Die Covid-19 Krise nimmt Indien immer fester in den Griff. In weiten Teilen des Landes herrscht nunmehr seit fast vier Monaten absolute Ausgangssperre. Dort, wo sie gelockert wurde, wird sie häufig wieder angeordnet, vor allem in großen Städten, aber auch zunehmend auf dem Land, weil sich das Virus nun explosionsartig ausbreitet. Die offiziellen Zahlen mit über einer Million Infizierten und rund 40.000 Toten sind wenig aussagekräftig, weil ja nur stichprobenartig getestet werden kann. Die wirklichen Zahlen dürften um ein Vielfaches höher sein. Die Not der Menschen, die von der Hand in den Mund leben und ihre Angst vor dem Hungertod nimmt zu. Denn der Staat versagt weiterhin. Die Sorge um die Ärmsten im Lande scheint keine Priorität zu haben. Sämtliche Hilfsprogramme sind kümmerlich und gerade für diese Menschen nicht erreichbar.

Umso wichtiger sind Organisationen wie die Helpers of Mary, die langjährigen Projektpartnerinnen von LIFT, die diesen Menschen helfen, sie mit Essen versorgen und ihnen in ihrer Panik beistehen. Die Helpers of Mary hatten zunächst etwa 100.000 Menschen in einer Erste-Hilfe-Aktion notversorgt. Inzwischen sind sie zu der regelmäßigen Versorgung für über 30.000 Menschen übergegangen. Das kostet viel Geld. LIFT hat bereits 192.000 Euro überweisen können. Es handelt sich fast ausschließlich um Spenden von Lesern der „Rheinpfalz“ und den „Nürnberger Nachrichten“, von denen viele ohnehin regelmäßige Spender von LIFT sind.

Mit 69 der indischen Stationen der Marys sind fast alle ihre im Lande verteilten Zentren in die Corona-Hilfe eingebunden. Für Wanderarbeiter, die nach wie vor hunderte, manchmal über tausend Kilometer zu Fuß auf dem Weg in ihre Heimatdörfer sind, und für kleine Kinder kochen sie immer noch warme Mahlzeiten. Aber vor allem die Lebensmittelpakete, die sie packen, retten die Menschen vor dem Hungertod.  10 Kilo Reis, 5 Kilo Mehl, 2 Kilo Linsen, Speiseöl, Gewürze, Kekse, Zucker und Tee, Seife, Masken und Desinfektionsmittel enthält ein solches Paket. Für umgerechnet drei Euro schaffen die Marys es, einen Menschen zwei Wochen lang zu ernähren.

Empfänger der Mary-Hilfe sind die Ärmsten in den Slums und Dörfern, die Tagelöhner und Wanderarbeiter, die von einer Minute zur anderen ihre Arbeit und damit jegliches Einkommen verloren haben und Menschen, die keine subventionierten Nahrungsmittel erhalten, obwohl das staatliche Verteilungssystem angeblich 700 Millionen Menschen erreicht. Unterstützt werden zudem Witwen und Frauen, die von ihrer Familie ausgestoßen wurden, Lumpensammler, Alte, Obdachlose, Krebskranke und Rikscha-Kulis. Und die Familien der Kinder, die in den Heimen der Marys leben, nun aber bei ihren Eltern in den wegen Corona auf unbestimmte Zeit verlängerten Sommerferien sind. LIFT ist bekanntlich in vier solcher Projekte tätig, und schickt jedes Jahr etwa 300 Mädchen in Schule und Ausbildung.

Aber die Marys arbeiten auch zukunftsgerichtet. So haben sie Menschen geholfen, ihr „Business“ wieder aufzunehmen, indem sie etwa Handkarren für den Gemüseverkauf zur Verfügung stellten oder kleine Verkaufsbuden finanzierten. Sie haben Leuten geholfen, ihre Arztrechnungen zu bezahlen oder die Miete für ein paar Quadratmeter im Slum, und sie versuchen, die von Zukunftsangst umgetriebenen, zunehmend selbstmordgefährdeten Menschen zu beruhigen und ihnen mit Rat beizustehen – über das Handy, das auch in Indien inzwischen fast jeder hat. Den englischen Bericht der Oberin Sr. Priya über die Corona-Arbeit der Marys fügen wir zu Ihrer Information bei.

Leider kann dies nur ein Zwischenbericht sein. Die Corona-Hilfe der Marys wird wohl noch auf lange Zeit weitergehen müssen, und das heißt, die Sisters sind weiter auf die Unterstützung aus Deutschland angewiesen, damit sie möglichst vielen Menschen helfen können, zu überleben.

19.07.2020 Gabriele Venzky