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Die politische Zwiebel

Der Preis für Zwiebeln ist in Indien ein politischer Preis, und er hat schon so manche Wahl entschieden. Denn Zwiebeln gehören zu jeder Mahlzeit; für die Ärmsten sind sie die einzige Vitaminquelle. Zwei Drittel der Bevölkerung müssen mit weniger als 1 Euro 50 am Tag auskommen, das sind 120 Rupien. Wenn dann der Preis für ein Kilo Zwiebeln auf 150 Rupien steigt, wie im vergangenen Jahr geschehen, dann beginnt der große Mangel. Wichtige Nahrungsmittel wurden, im Vergleich zum Vorjahr, dreimal so teuer! In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sanken die Preise zwar etwas, und die neue Regierung tut alles, um sie weiter zu drücken. Aber Zwiebeln kosten immer noch 40 Rupien pro Kilo, Tomaten 80, Kartoffeln 35, und bei Reis, Gemüse und Hülsenfrüchten, also weiteren Grundnahrungsmitteln, steigen die Preise schon wieder.

Die Inflation strapaziert auch die Kassen unserer Projektpartnerinnen, der Helpers of Mary: Sie wollen schließlich die 80 Mädchen in Shanti Dhama und Anugraha gesund ernähren. Obendrein drückt die Europäische Zentralbank den Kurs des Euro – pro Spendeneuro gibt es mittlerweile etwa 10 Rupien weniger als vor einem Jahr. Wir hoffen deshalb auf mehr Spenden, um den Währungsverfall auszugleichen.

Während die Nahrungsmittelpreise in der übrigen Welt relativ stabil blieben in den vergangenen fünf Jahren, haben sie sich in Indien versechsfacht –  die Löhne für das Millionenheer der Tagelöhner aber sind kaum gestiegen. Die meisten Nahrungsmittel werden in Indien immer noch von Kleinst- und Kleinbauern produziert. Sie sind extrem abhängig von guten Monsunregen, und sie leiden ganz besonders unter Dürren, Überschwemmungen, Zyklonen. Von all dem hat das Land reichlich. Die Produktivität  der Landwirtschaft ist gering, die kleinen Erzeuger sind von Mittelsmännern abhängig; eine funktionierende Infrastruktur für Lebensmittel – Kühlhäuser, Straßen, schnelle Beförderung – gibt es praktisch nicht: Daher die enormen Preisschwankungen. Wenn dann noch hohe Lebensmittelpreise zu einer hohen Inflationsrate führen – gegenwärtig um die sieben Prozent -, hat das Land ein Problem.  (Gabriele Venzky)

Zwiebeln

Die Zwiebel ist in Indien Teil jeder Mahlzeit – ihr Preis hat schon Wahlen entschieden.