2026
LIFT Vorstandsreise nach Indien
Überblick
Von Mitte Dezember 2025 bis Anfang Januar 2026 reisten wir, der Vorstand von LIFT e.V., nach Indien, um mehrere von uns geförderte Projekte der Helpers of Mary zu besuchen. An der – selbstverständlich privat finanzierten – Reise nahmen drei Vorstandsmitglieder mit Kindern und Ehepartnern teil.
Nach der Ankunft in der Hauptzentrale der Helpers of Mary in Andheri, einem Stadtteil von Mumbai, trafen wir zunächst die Generaloberin der Helpers of Mary, Sister Annie Fernandez zu einem intensiven Austausch. Anschließend besuchten wir einige Stationen der Schwestern in Mumbai. Nach drei Tagen brachen wir zu den drei nördlich von Mumbai gelegenen LIFT Projekten Maria Seva Sadan in Dapada, Balwatika in Dadra und Snehagiri in Karajgaon auf. Im Anschluss reisten wir weiter nach Mysore zum Girls Hostel Premanjali, wo wir gemeinsam mit den dortigen Schwestern und Mädchen Weihnachten feierten. Zum Abschluss besuchten wir die Süd-Zentrale der Helpers of Mary in Rivona (Goa), wo wir unter anderem Sister Gladys, die Oberin der Südprovinz der Helpers of Mary, trafen.

Treffen des LIFT Vorstandes mit Generaloberin Sr. Annie (rechts) und Finanzvorständin Sr. Smita (links) in Andheri, Mumbai.
Maria Seva Sadan (Dapada)
Unsere Rundreise zu den Nordstationen begann mit dem Besuch von Maria Seva Sadan in Dapada, rund 150 km nördlich von Mumbai. Wir unterstützen diese Station erst seit Mitte 2025. Derzeit leben dort rund 160 Mädchen im Alter von 5 bis 18 Jahren, viele von ihnen aus Familien der Adivasi-Warli-Kultur, die in abgelegenen Dörfern ohne weiterführende Schulen leben.
Wie Balwatika und Snehagiri gehört auch Maria Seva Sadan zum Balwatika Trust und wird innerhalb der Zentralprovinz der Helpers of Mary verwaltet.
Nach einem sehr herzlichen Empfang – zunächst nur durch die Schwestern, denn die Kinder waren am Vormittag noch in der Schule – und dem obligatorischen Begrüßungs-Snack gingen wir mit der Oberin Sr. Meena ins Dorf und besuchten einige Bewohner in der unmittelbaren Umgebung. Durch die jahrzehntelange Sozialarbeit in der Gemeinde sind die Schwestern hier besonders tief in der Dorfstruktur verwurzelt, und es gibt viele beeindruckende Erfolgsgeschichten über ihr positives Wirken.

Durch diesen Verkaufsstand, den die Marys der Dorfbewohnerin ermöglicht hatten, kann sie ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie verdienen.
Bei dem anschließenden Rundgang durch das Heim zeigte sich an vielen Stellen Renovierungsbedarf. Nachdem die Mädchen gruppenweise von der Schule zurückgekehrt waren, beeindruckten sie uns noch mit einem kreativen Tanzprogramm, unter anderem auch mit traditionellen Adivasi-Tänzen.

Besonders begeistert hat uns der coole Tanzauftritt der Kleinsten.
Balwatika (Dadra)
Von Dapada aus reisten wir am späten Nachmittag weiter ins rund 50 km entfernte Dadra. Das Kinderdorf Balwatika wird von LIFT bereits seit 2014 unterstützt. Dort leben mehr als 180 Adivasi-Mädchen, fast durchgängig aus analphabetischen Familien; erst die Aufnahme in das Heim ermöglicht ihnen den Schulbesuch.
Balwatika hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt, dank der ehemaligen Leiterin Sr. Suman, die uns auf der Reise begleitete und der aktuellen leitenden Schwester, Sr. Sonia. Die Gebäude sind in sehr gutem Zustand, die kleine Farm auf dem rund 5 Hektar großen Land wird gut bewirtschaftet. Einzig der absinkende Grundwasserspiegel – auch eine Folge der intensiven Nutzung durch industrielle Betriebe – hat sich in den letzten Jahren verschärft und erfordert den Bau immer tieferer Brunnen.
Nach abermals sehr herzlichem Empfang erlebten wir eine große Abendveranstaltung mit Tanz, Theater, der Verleihung von Preisen und dem Austausch zwischen unserer Reisegruppe und den Mädchen.

LIFT im Dialog mit den Kindern Kindern in Balwatika und Sr. Sonia.
Besonders beeindruckt hat uns, wie der klar strukturierte Tagesablauf, der Ehrgeiz und die Disziplin der Mädchen, aber auch die Herzlichkeit und gegenseitige Rücksicht und Hilfsbereitschaft untereinander das Leben im Heim mit über 180 Mädchen überhaupt erst ermöglichen. Nach einer Übernachtung sahen wir am nächsten Morgen eindrucksvoll, wie wichtig und effektiv der Nachhilfeunterricht und die Ausbildungsförderung über die staatliche Schule hinaus für die Selbstständigkeit und den Schulerfolg der Mädchen sind.

Mädchen in Balwatika morgens beim Förderunterricht vor der regulären Schule.
Snehagiri (Karajgaon)
Von Balwatika aus ging es weiter nach Karajgaon im Talasari-Gürtel des Palghar-Distrikts, wo sich das Snehagiri Girls Hostel befindet. Die Region ist Heimat der Warli-Stammesgemeinschaft, die überwiegend vom Reisanbau in den umliegenden Berg- und Talfeldern lebt; nach der Ernte ziehen viele Männer zur Arbeitssuche in die Städte oder auf See.
Snehagiri wurde 2011 errichtet. LIFT unterstützt die Station seit April 2024. Derzeit leben rund 80 Mädchen zwischen 6 und 16 Jahren im Heim und besuchen eine von der Gemeinde geführte Schule.
Die größte Herausforderung war lange Zeit der Schulweg: Die Schule liegt 6 Kilometer entfernt, und der Transport erfolgte in mehreren Touren mit einem kleinen Jeep. Ende 2024 hat LIFT deshalb die Finanzierung eines eigenen Schulbusses übernommen, der uns bei unserem Besuch stolz präsentiert wurde. Das Gelände der Helpers of Mary in Karajgaon ist sehr groß: 18 ha Grundstück inklusive eines kleinen Berges und einiger Trampelpfade. Ein Teil kann landwirtschaftlich genutzt werden. Zur Sicherheit der Mädchen und zum Schutz vor Mundraub – denn die Bananen sind nicht nur bei den Schwestern und Kindern beliebt – wurde vor zwei Jahren eine Mauer errichtet, die nun guten Schutz vor unliebsamen Gästen bietet.
Mit dem Bus fuhren wir auch mit den Schwestern ins Dorf und besuchten eine Teilnehmerin des Livelihood Projektes, die durch Ziegenhaltung nun ein kleines Einkommen generiert.

Ziegenhaltung ist eines der Geschäftsmodelle, mit denen die Frauen im Rahmen des Livelihood Projektes ein kleines Einkommen generieren.
Zentrale in Mumbai – Paramedical Skill Training
Die Zentrale der Helpers of Mary im Stadtteil Andheri in Mumbai ist ein eigenes Dorf für sich und umfasst unterschiedlichste Gebäude und Einrichtungen – unter anderem ein Krankenhaus, das jedoch baufällig war und vor Kurzem abgerissen werden musste; an gleicher Stelle soll ein neues, mehrstöckiges Krankenhaus entstehen. Neben einem Kinderheim, einem Altersheim und einer Schule für die benachbarten Kinder aus dem Slum findet dort auch die Ausbildung der Paramedical-Studentinnen statt. Im Rahmen dieses Programms ermöglichen wir derzeit rund 80 jungen Frauen, 60 davon in Mumbai, eine fundierte medizinische Ausbildung zur Hilfskrankenschwester („Paramedical Skill Training“), die ihnen den Einstieg in einen anerkannten Beruf eröffnet.
Wir trafen die Teilnehmerinnen der einjährigen, staatlich zertifizierten Ausbildung und die Schwestern und Teilnehmerinnen berichteten uns ausführlich über den Ausbildungsverlauf, die praktische Ausbildung und die beruflichen Perspektiven der Absolventinnen. Auch hier war der direkte Austausch für uns wichtig, um zu erleben, wie nachhaltig sich diese Förderung auf die Lebensperspektive der jungen Frauen auswirkt.

Die LIFT Reisegruppe trifft die Teilnehmerinnen des Paramedical Trainings.
Premanjali (Mysore)
Ein besonderer Höhepunkt unserer Reise war der Besuch des Girls Hostels Premanjali in einem Vorort von Mysore, das wir seit 2015 finanzieren. Dort finden 35 besonders begabte Mädchen aus den südindischen Stationen der Helpers of Mary Platz, die nach der 10. Klasse ein Junior College bis zur Hochschulreife (Pre University College, 11. + 12. Klasse) besuchen oder bereits ein Studium beginnen. Das Hostel liegt in der Nähe eines der besseren, sogenannten A-Grade-Colleges des Landes. Das St. Philomena College wurde vom Maharaja von Mysore gestiftet; betrieben wird es überkonfessionell von der katholischen Kirche.
Schwester Rani berichtete uns auf dem Rundgang über das Gelände von ihren Plänen, künftig auch in Premanjali eine weitere Paramedical-Ausbildung anzubieten und damit den Mädchen nach dem Schulabschluss eine zusätzliche berufliche Perspektive zu eröffnen.

Sr. Rani erklärt beim Rundgang über das Gelände ihre Pläne.
Wie an allen anderen Stationen wurden wir auch in Mysore mit großer Freude und Tanzdarbietungen begrüßt; in zahlreichen Gesprächen erzählten uns die Mädchen und Schwestern von ihrem Alltag, ihren Erfolgen und ihren Plänen für die Zukunft.
In Premanjali verbrachten wir gemeinsam mit den Mädchen auch das Weihnachtsfest und durften die Weihnachtsgeschenke (neue Saris, finanziert von einem unserer Spender) überreichen – ein besonders freudiges Erlebnis für uns alle.

Die neuen Saris – finanziert von einem LIFT Spender – wurden gleich angezogen.
Rivona – Zentrale der Helpers of Mary im Süden
Im Süden Indiens besuchten wir schließlich die Zentrale der Helpers of Mary in Rivona im Bundesstaat Goa. Rivona ist Sitz der Provinzoberin Sister Gladys, der alle südindischen Stationen der Helpers of Mary unterstehen, und damit ein wichtiger Knotenpunkt für die Koordination der Arbeit vor Ort.
Zum rund 30 Hektar großen, sehr hügeligen Gelände gehört neben einem Mädchenheim und einem Altenheim eine größere Fläche, die mit zusätzlicher Bewässerung seit kurzem auch landwirtschaftlich genutzt wird. LIFT hatte hier einige Erstpflanzungen finanziert, die notwendig waren, um das Land überhaupt nutzbar zu machen. Vor Ort machten wir uns ein Bild davon, wie daraus durch den Verkauf der angebauten Produkte (u. a. Cashewnüsse, Betelnüsse, Pfeffer) eine zusätzliche Geldquelle für die Finanzierung der Sozialarbeit der Marys entstanden ist.

Der LIFT Vorstand macht sich ein Bild von den Anpflanzungen inklusive Bewässerungssystem, die eine neue Einnahmequelle für die Schwestern geworden sind.
Rivona ist zugleich der Ausgangspunkt eines weiteren Engagements: des Livelihood-Projekts, das die Helpers of Mary 2021 – anfangs mithilfe eines uns überlassenen Vermächtnisses – ins Leben gerufen haben. Es unterstützt benachteiligte Frauen, etwa Witwen oder alleinerziehende Mütter ohne eigenes Einkommen, durch Schulungen und ein kleines Startkapital beim Aufbau eigener kleiner Einkommensquellen – von der Schneiderei über Tierhaltung bis zur Landwirtschaft. Allein 2025 konnten wir auf diese Weise 302 Frauen zu einem eigenen Einkommen verhelfen.
Fazit
Unsere Vorstandsreise hat uns erneut gezeigt, wie wertvoll der persönliche Kontakt zu den Schwestern und Mädchen vor Ort ist. An jeder Station wurden wir mit großer Herzlichkeit empfangen, durch Tänze geehrt und ausführlich über die laufenden Aktivitäten informiert. Dieser direkte Austausch ermöglicht es uns, die Wirkung der von LIFT finanzierten Projekte unmittelbar zu erleben und die zukünftigen Bedarfe zu erkennen. Gleichzeitig konnten wir damit die engagierte Arbeit der Helpers of Mary würdigen und die langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit weiter festigen.
Florian Berghausen und Stephanie Mittelstaedt
