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Indien

Indien wird sich vermutlich in den nächsten Jahrzehnten zur drittgrößten Wirtschaftsmacht der Erde zu entwickeln. Schon jetzt nimmt die Zahl seiner Multimillionäre  rasant zu. Doch die Zahl der Armen und hoffnungslos Benachteiligten nimmt leider nicht im gleichen Tempo ab. Im Gegenteil. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele hungernde, kranke und zukunftslose Menschen wie in Indien.

Frauen erledigen häufig die schwersten körperlichen Arbeiten, selbst im Straßenbau.

Frauen erledigen die schwersten körperlichen Arbeiten, selbst im Straßenbau.

Zweidrittel der 1,3 Milliarden Inder gelten als arm. Sie müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen. 600 Millionen haben keinen Strom, noch sehr viel mehr keinen Zugang zu nur einigermaßen sauberem Wasser. Die Hälfte aller Kinder ist untergewichtig und  die große Zahl mangelernährter, anämischer Frauen bringt eine erschreckende Zahl geistig und körperlich zurückgebliebener Kinder zur Welt. Das sind schlimmere Verhältnisse als in Afrika südlich der Sahara.

Indien hat aus seinem größten Schatz, seiner jungen, begabten Bevölkerung, nichts gemacht. 65 Prozent der Inder sind jünger als 30. Mit ihnen könnte das Land sogar China überholen – wenn es für allgemeine Schulbildung und  bessere Ausbildung sorgen würde. Doch das  geschieht nicht. Die staatlichen Schulen sind in der Regel eine Katastrophe und das Niveau der Universitäten ist dürftig. Mindestens 400 Millionen Analphabeten leben in Indien.  Aber vermutlich sind es weitaus mehr, da die Statistik schamhaft verschweigt, dass Zweidrittel derer, die am untersten Ende der sozialen Hierarchie stehen, nämlich Mädchen und Frauen, allenfalls ihren Namen schreiben können. Dabei ist bekannt, dass überall, wo Mädchen wenigstens einen Grundschulabschluss haben, die Armut deutlich zurückgeht.

Täglich landen neue Menschen, vor allem die verarmte Landbevölkerung, auf den Megametropolen an und finden wie diese Familie oft nur eine Bleibe unter einer Brücke zwischen mehrspurigen Autofahrbahnen.

Täglich kommen Tausende, vor allem verarmte Kleinbauern, in die Megametropolen. Ihnen bleibt oft nicht  mehr als eine Bleibe unter einer Brücke.

In Delhi brüstet man sich damit, dass jedes Jahr zehn Millionen Menschen aus der Armut geholt werden. Bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden sind das viel zu wenige, und der ewige Refrain, die Kolonialzeit sei an allem schuld, klingt reichlich abgedroschen. Denn die ist seit über 60Jahren vorbei. Indiens Armut ist vielmehr hausgemacht. Selbstverständlichkeiten wie sauberes Wasser, Toiletten, genügend Nahrung für die Menschen, ein wenigstens primitives Gesundheitssystem oder gar eine kostenlose Grundschulbildung für alle hat das häufig korrupte und weitgehend uninteressierte politische System der Nachkolonialzeit nicht zustande gebracht. Die unmäßige Rüstung gegen Pakistan und eine überbordende, unfähige Bürokratie verschlingen die Gelder, die das Volk so dringend braucht. Religion und Kastenzwang sind Bollwerke gegen den Fortschritt und die halbherzigen Armutsbekämpfungsprogramme des Staates bleiben meist schon bald stecken.

In Slums, die zum Teil seit vielen Jahren bestehen, werden nachträglich Abwasserleitungen verlegt, wie hier in Malwani, einem großen Slum in Mumbai (früher Bombay)

In Slums, die zum Teil seit vielen Jahren bestehen, werden nachträglich Abwasserleitungen verlegt, wie hier in Malwani, einem großen Slum in Mumbai/Bombay.

Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich immer mehr. Der Staat hat auf der ganzen Linie versagt. Es ist nicht so, dass es überhaupt keine Inder gäbe, die bereit sind, den Armen zu helfen. Aber in der Regel gilt der kalte Hindu-Satz: jeder ist für sein Schicksal selbst verantwortlich; wer arm ist, hat es wohl verdient. Im nächsten Leben kann es schon wieder ganz anders aussehen. Deshalb wird es wohl noch lange Aufgabe des Auslands sein, Indiens intelligenten und meist hochmotivierten Armen unter die Arme zu greifen, besonders Indiens Frauen.